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Bezeichnung als „Männerarzt“

Jüngst hatte sich das Landgericht Münster damit zu befassen, ob die Bezeichnung eines Arztes als „Männerarzt (CMI)“ zulässig ist (Urteil vom 07.02.2008, Az.: 22 O 247/07).

Ein Facharzt für Allgemeinmedizin bezeichnete sich als „Männerarzt (CMI)“, nachdem er an einer zertifizierten Fortbildungsmaßnahme an drei Wochenenden teilgenommen hatte. Der Arzt war daher der Auffassung, daß er eine derartige Bezeichnung auch führen dürfe. Der Kläger - ein Wettbewerbsverband - war gegenteiliger Auffassung und sah die Gefahr, daß die Bezeichnung „Männerarzt“ mit der Zusatzbezeichnung Andrologie verwechselt werden könne. Die Werbung sei daher irreführend.

Das Gericht hat sich der letztgenannten Auffassung angeschlossen und den beklagten Arzt zur Unterlassung verurteilt. Dabei hatte das Gericht eine Bezeichnung als „Männerarzt“ zu bewerten:

„Den Fachgebietsbezeichnungen und Zusatzbezeichnungen kommt angesichts dessen in den Augen der Patienten besondere Aussagekraft zu. Das Führen von Fachgebietsbezeichnung unter Missachtung dieser strengen gesetzlichen Regelung ist geeignet, zu Irrtümern und damit zu einer Verunsicherung der Patienten zu führen, wie hier zu der naheliegenden Auffassung, „Männerarzt (CMI)“ und „Androloge“ seien gleichwertig. Ein solcher Irrtum könnte das Vertrauen in den Arztberuf untergraben und langfristig negative Rückwirkungen auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung haben …

Der Verhinderung solcher Irrtümer und ihrer Auswirkungen räumt die Kammer einen deutlichen Vorrang vor dem Interesse des Beklagten ein, sich mit dem Führen der Bezeichnung „Männerarzt (CMI)“ und der damit verbundenen Werbung mit besonderer Qualifikation einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.“

Zudem hat das Gericht darauf hingewiesen, daß es eine weitere Assoziation der Bezeichnung „Männerarzt“ mit der Facharztbezeichnung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Frauenarzt) für naheliegend erachte und auch hieraus eine Irreführung herleite:

„… Entgegen dieser Vorstellung wird jedoch die vorstehend relevante Bezeichnung „Männerarzt, CMI“ von einem privaten Verein - wenn auch aufgrund entsprechender Zertifizierung der Fortbildungsmaßnahme durch eine Ärztekammer - vergeben und zwar aufgrund einer mit Erfolg abgelegten Fortbildungsmaßnahme, die lediglich die Dauer von ca. 3 Wochenendseminaren hat. Demgegenüber setzt die in den angesprochenen Verkehrskreisen zur Parallelwertung herangezogene Facharztbezeichnung für Frauen (Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe) nach der Weiterbildungsordnung unter anderem eine 60-monatige Weiterbildungszeit voraus. Auch die nach der Weiterbildungsordnung NRW zulässige Zusatzbezeichnung „Andrologie“ (Abschnitt C der Weiterbildungsverordnung) - wie oben schon dargelegt - stellt gegenüber dem „Männerarzt CMI“ erhöhte Anforderung an die Weiterbildungsmaßnahme.“

Demzufolge nahm das Gericht eine Irreführung durch die Führung der Bezeichnung als „Männerarzt CMI“ an und untersagte eine derartige Werbung.

08.08.2008


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