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Ohne Heilpraktikererlaubnis kein Faltenunterspritzen

Aus einem Beschluß des Oberverwaltungsgerichtes Nordrhein-Westfalen vom 28.04.2006 (Az.: 13 A 2495/03) ergibt sich, daß Kosmetikerinnen ohne Heipraktikererlaubnis keine Faltenunterspritzung mit injizierbaren Implantanten durchführen dürfen.

Hintergrund dieser Entscheidung war die Klage einer selbständigen Kosmetikerin. Diese bietet in ihrem Kosmetikstudio Faltenunterspritzung im Lippen- und Oberlippenbereich mit injizierbaren Implantaten an. Die Stadt hat ihr diese Tätigkeit verboten, da die Klägerin für eine solche Tätigkeit nicht ausgebildet sei. Sie sei nämlich keine Heilpraktikerin. Hiergegen reichte die Kosmetikerin Klage beim Verwaltungsgericht ein. Nachdem gegen das stattgebende Urteil des Verwal-tungsgerichts Berufung eingelegt wurde, mußte nunmehr das Oberverwaltungsgericht über den Sachverhalt entscheiden.

Die Kosmetikerin war der Ansicht, daß das Faltenunterspritzen keine Ausübung der Heilkunde darstelle, sondern vielmehr – genauso wie Ohrlochstechen oder Tätowieren – nicht als Ausübung der Heilkunde, sondern nur als kosmetische Behandlung anzusehen sei. Immerhin diene das Faltenunterspritzen nur ästhetischen Zwecken.

Mit dieser Argumentation hatte die Klägerin keinen Erfolg. Nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichtes liegt trotz des ästhetischen Zwecks beim Injizieren von Implantanten durchaus ein Eingriff in den Körper vor, für den eine Heilpraktitkererlaubnis erforderlich ist. Für eine ordnungsgemäße Faltenunterspritzung muß der Behandler nämlich über das ästhetische Empfinden hinaus auch medizinische Kenntnisse innehaben, damit der Patient durch die Behandlung angesichts der beträchtlichen Gefahren, die im Zusammenhang mit einer Faltenunterspritzung drohen, nicht in seiner Gesundheit geschädigt wird. Insbesondere sind beim Unterspritzen von Falten zusätzliche Kenntnisse über Aufbau der Schichten der Haut, den Verlauf von Blutgefäßen und Muskelsträngen sowie eventuelle Wechselwirkungen mit vorhandenen Hautkrankheiten erforderlich, so daß davon ausgegangen werden kann, daß eine Heilpraktikererlaubnis zwingende Voraussetzung für das Faltenspritzen durch Injizieren von Implantaten ist. Die Teilnahme an einem Seminar im Rahmen der Tätigkeit als Kosmetikerin ist hierfür nicht ausreichend.

Hierdurch wird ersichtlich, daß die Ausübung der Heilkunde sich nicht nur auf die Behandlung von körperlichen Leiden von Menschen bezieht, sondern durchaus auch in den Bereich der ästhetischen Behandlung übergreifen kann, damit sich Patienten, welche gesundheitlich mehr oder weniger bedenkliche Behandlungen an sich vornehmen lassen wollen, zu deren eigenen Schutz zumindest in die Hände einer medizinisch erfahrenen Person begeben können und sogar müssen. Diesem Schutzerfordernis ist die angeführte Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen gerecht geworden.

23.05.2006
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RA Dr. Thomas Ufer
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